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Die DIN-Norm zur gesellschaftlichen Verantwortung; Nachhaltigkeit, Rechtsstaatlichkeit und Schutz der Menschenrechte: DIN ISO 26000

So mancher wird zunächst einmal stöhnen : Genau diese DIN-Norm hat uns noch gefehlt ! Die in ihrem Umfang gigantischen Regelwerke der Normen werden meist als immenser Ballast empfunden.
So umfasst z.B. die Normensammlung allein zur  Raumlufttechnik  rund 2000 Seiten und kostet knapp 500 €. Wollten Sie ein Bauvorhaben anhand aller einschlägigen Normen überprüfen, hätte Sie der Stand der Technik längst überholt, bevor Sie nur den Sand kaufen…
Brauchen wir z.B. wirklich die neu erschienene

DIN EN 994
Textile Bodenbeläge - Bestimmung der Länge und Geradheit der Kanten und der Rechtwinkligkeit von Fliesen;
Deutsche Fassung EN 994:2012

Doch die DIN und insbesondere die ISO widmen sich auch zunehmend essentiellen Themen, wie dem Management z.B. der Bereiche Risiko, Qualität, Umweltschutz, Arbeitsschutz, Datensicherheit…

nun also die

DIN ISO 26000
Leitfaden zur gesellschaftlichen Verantwortung 

Leitfaden zur gesellschaftlichen Verantwortung

CSR- Corporate Social Responsibility gewinnt mehr und mehr Gewicht, nicht nur in der öffentlichen Meinung und dem Ansehen einer Organisation, eines Unternehmens, sondern auch in Finanzbeteiligung, Kreditwürdigkeit, Geschäftsbeziehung, und Kaufentscheidung.
Die Erfüllung ihrer gesellschaftlichen Verantwortung wird somit für den Erfolg oder das Scheitern von Unternehmen an Bedeutung gewinnen.
Michael E. Porter, einer der führenden Vordenker in Sachen Management, überschreibt das shared value, das Ziel des CSR, sogar als  “Die Neuerfindung des Kapitalismus” .
Artikel Vordenker (erschienen im Harvard Business Manager) hier nachlesen.

Doch nun zum Inhalt des Leitfadens:
Da wir nicht direkt aus der DIN ISO zitieren dürfen, obwohl dies eigentlich öffentliches Gemeingut sein sollte, hier Auszüge aus der Zusammenfassung, die vom BMAS zur Verfügung gestellt wird
(Bundesministerium für Arbeit und Soziales Referat Information, Publikation, Redaktion 53107 Bonn,Stand: November 2011):

In einer schnell zusammenwachsenden Welt, in der mehr und mehr Organisationen global aktiv sind, bedarf es eines gemeinsamen internationalen Verständnisses über Werte, Prinzipien und Regeln im Bereich der verantwortlichen Organisationsführung. Die DIN ISO 26000 bietet Organisationen einen international erarbeiteten und anerkannten Referenzrahmen, der nicht nur Erwartungen formuliert, sondern auch Umsetzungshilfen gibt. 

Neu an der DIN ISO 26000 ist, dass ein ganzheitlicher und integrativer Umgang mit den Themen und Handlungsfeldern gesellschaftlicher Verantwortung betont wird. Der Leitfaden macht klar, dass und wie die verschiedenen Kernthemen wechselseitig voneinander abhängen und sich gegenseitig beeinflussen. Daher empfiehlt er auch einen integrierenden Ansatz für das Management gesellschaftlicher Verantwortung. Die Norm definiert gesellschaftliche Verantwortung als die „Verantwortung einer Organisation für die Auswirkungen ihrer Entscheidungen und Aktivitäten auf die Gesellschaft und die Umwelt durch transparentes und ethisches Verhalten, das  zur nachhaltigen Entwicklung, Gesundheit und Gemeinwohl eingeschlossen, beiträgt, die Erwartungen der Anspruchsgruppen berücksichtigt,  anwendbares Recht einhält und im Einklang mit internationalen Verhaltensstandards steht, in der gesamten Organisation integriert ist und in ihren Beziehungen gelebt wird“.

III.1 Sieben Grundsätze
Das Fundament für die Wahrnehmung gesellschaftlicher Verantwortung bilden sieben Grundsätze. Es wird jeder Organisation empfohlen, diese Grundsätze zu achten:

1. Rechenschaftspflicht

Eine Organisation sollte für die Auswirkungen ihrer Entscheidungen und Aktivitäten aufGesellschaft,Wirt­schaft und Umwelt die Verantwortung übernehmen und nachweisbar Rechenschaft ablegen.

2. Transparenz

Eine Organisation sollte insbesondere dann transparent agieren, wenn ihre Entscheidungen und Aktivitäten einen Einfluss auf Gesellschaft oder Umwelt haben. Das umfasst eine glaubwürdige, offene, verständliche Kommunikation und Berichterstattung über Zweck, Art und Standorte der Aktivitäten einer Organisation.

3. Ethisches Verhalten

Das Handeln einer Organisation sollte auf den Werten der Ehrlichkeit, der Gerechtigkeit und der Rechtschaf­fenheit beruhen.

4. AchtungderInteressen von Anspruchsgruppen

Eine Organisation sollte ihre (betroffenen) Anspruchs­gruppen kennen und deren Interessen respektieren und berücksichtigen.

5. Achtung der Rechts­staatlichkeit

Eine Organisation sollte Recht und Gesetz unbedingt achten und einhalten.

6. Achtung internationaler Verhaltensstandards

Eine Organisation sollte in Übereinstimmung mit in­ternationalen Verhaltensstandards handeln. Darunter sind das Völkergewohnheitsrecht, allgemein anerkannte internationale Rechtsgrundsätze oder zwischen­staatliche Abkommen, Verträge und Konventionen zu verstehen. Beispiele sind die UN Menschenrechtskon­vention oder die internationalen Arbeitsstandards der ILO. Diese Verhaltensstandards sollten als Orientierung in Situationen dienen, in denen die Organisation, z. B. bei internationalen Aktivitäten, keine angemessenen nationalen Umwelt­ und Sozialstandards vorfindet.

7. Achtung der Menschenrechte

Eine Organisation sollte die grundlegenden Menschenrechte, deren Bedeutung und Allgemeingültigkeit an­erkennen. Dies sollte unabhängig vom Standort, dem kulturellen Hintergrund oder spezifischen Situationen geschehen.

III.2 Sieben Kernthemen

  • Organisationsführung
  • Menschenrechte
  • Arbeitspraktiken
  • Umwelt
  •  Faire Betriebs- und Geschäftspraktiken
  • Konsumentenanliegen
  •  Einbindung und Entwicklung der Gemeinschaft

„Zentrales“ Kernthema: Organisationsführung
Alle Kernthemen hängen inhaltlich miteinander zusammen und ergänzen sich gegenseitig. Allerdings unterscheidet sich das Kernthema „Organisationsführung“ von den anderen: Denn erst eine wirkungsvolle Organisationsführung, d. h. die formelle und die „gelebte“ Führung und Steuerung einer Organisation, ermöglicht es, Maßnahmen zu den inhaltlich orientierten Kernthemen umzusetzen und die oben erläuterten Grundsätze einzuhalten.

-Diese Kernthemen werden in 37 Handlungsfeldern dargestellt und hier wird es dann auch konkret, so zum Beispiel die gebührende Sorgfalt und das Vermeiden von Mittäterschaft, die klar fordern, sorgfältig nicht nur unsere eigenen, sondern auch die Aktivitäten von den Organisationen zu prüfen, zu denen wir in Beziehung stehen. Im Einzelnen werden deutlich gefordert:

Bekämpfung der Korruption,
Verhinderung von Diskriminierung,
Eintreten für bürgerliche und politische Rechte,
Einhaltung der Standards der Internationalen Arbeitsorganisation,
Sozialer Dialog,
Nachhaltige Nutzung von Ressourcen,
Wiederherstellung natürlicher Lebensräume bis hin zu
Anpassung an den Klimawandel,
um nur einige zu nennen.

Umsetzung:
Systematisches Vorgehen bei der Integration gesellschaftlicher Verantwortung:

  • Bewusstseinsbildung und Kompetenzaufbau
  • Ausrichtung der Gesamtorganisation auf gesellschaftliche Verantwortung:
    Vision, Mission, Werte (= Leitbild), Kodizes (Leitlinien, Grundsätze, Richtlinien), Strategie (Ziele, Maßnahmen)
  • Integration in alle Führungs- und Steuerungssysteme formeller wie informeller Art (Aufbau- und Ablauforganisation, Prozesse, Strukturen, Führungsinstrumente, gelebte Führungs- und Organisationskultur, gelebte Geschäftspraxis)

 

Klarer und deutlicher kann eine Handlungsanweisung für uns im Qualitäts- resp. integriertem Management kaum sein.

Zwei Instrumente sind besonders hervorgehoben:

  • Kommunikation
  • Kontinuierliche Verbesserung

Kontinuierliche Verbesserung

 

Der Artikel ist nun schon reichlich lang, trotzdem, wenn Sie bis hier gelesen haben, werden Sie sich fragen, wie Sie die Wahrnehmung der gesellschaftlichen Verantwortung bei Ihren Geschäftspartnern prüfen sollen. Schöne Absichtserklärungen reichen hier sicher nicht.
Hier kommt die geforderte Transparenz zum Tragen.
Klare Richtlinien zum CSR- Reporting sorgen für die Vergleichbarkeit der positiven Initiativen und der Gesamtaktivitäten der Organisationen.
Die wichtigsten Links hierzu auf Sedexglobal.
Und sie führen mithin zu Vergleichslisten, die uns zumindest eine Handhabe für die Beschaffung geben, wie
WeGreen
CRSHUB (Sustainability Ratings)
Diese Rankings werden, wie einleitend beschrieben, zunehmend mitentscheidend für unseren und den Erfolg anderer Unternehmen. Auf den ersten Blick überraschend waren für mich die hohen Rankings der der deutschen Automobilhersteller, aber ich unterstelle zunächst mal die Fortschrittlichkeit deren Managementkultur. Ein aufgesetztes “Greenwashing” würde kaum lange halten.

CRSHUB (Sustainability Ratings)

Als meinen bescheidenen Beitrag zur Weiterverfolgung werde ich auf meinem Blog eine Sammlung von Links zur Entwicklung, aber auch konkreten Umsetzung gesellschaftlicher Verantwortung aufbauen. Bitte daher auch um Kommentare mit Link-Vorschlägen.

Ihr Gunther Gorny

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